Katzen in Not - Alchen

Verhalten

Katzen mögen es nicht, angestarrt zu werden. Sie betrachten dies als Provokation. Wer friedliche Katzen untereinander beobachtet hat, weiß, dass sie sich in der Regel nicht starr in die Augen sehen, sie sitzen meist in einigem Abstand zueinander  und sehen in verschiedene Richtungen oder blinzeln sich nur kurz an, dies wird als freundlich empfunden. 

 

Befreundete Katzen begrüßen sich oft mit Nasenstübern. Dies wird auch beim Menschen angewandt. “Köpfchengeben” ist auch eine  freundliche Form der Begrüßung. Der Mensch wird zunächst einmal als “Mitkatze” betrachtet, zumindest dann, wenn er der Katze sympathisch ist und sie noch keine schlechten Erfahrungen mit Menschen gemacht hat. Seltsamerweise finden Katzen Menschen, die sich ihnen gegenüber sehr zurückhaltend zeigen, meist besonders sympathisch. Dies scheint daraus zu resultieren, dass Katzen Aufdringlichkeit hassen und Zurückhaltung als Freundlichkeit empfinden.

Es gibt natürlich auch andere.

 

Mein verstorbener Kater fand jeden Besucher toll. Wenn es an der Tür klingelte stand er bereits mit den Leuten, selbst mit Fremden, freudig draußen vor der Haustüre; sobald jemand das Grundstück betrat, wurde er von ihm abgeholt und zur Haustüre geleitet.

 

Eine Katze, die sich gegen Menschen zur Wehr setzt, hat immer Gründe hierfür. Sie schlägt niemals ohne vorherige Warnung zu. Der Beleidiger wird  meist ernst und verständlich zuvor gewarnt - der Schwanz zuckt leicht hin und her, eventuell folgt ein leises Knurren, später ein Grollen, die Pfote wird leicht gehoben. Schlägt der Schwanz stärker hin und her, das Grollen wird lauter und es wird nicht abgelassen - selbst schuld. 

 

Neben der Körpersprache verfügt die Katze auch über eine vielfältige Lautsprache, die sie vornehmlich beim Menschen anwendet. Je häufiger der Mensch mit seiner Katze spricht, desto gesprächiger wird sie. Es gibt Katzen, die ihren Leuten, wenn sie von der Arbeit heimkommen, ganze Geschichten erzählen. Andere Katzen gurren ihre Leute freudig an oder maunzen zur Begrüßung, wieder andere tun lautstark beim Nachhausekommen ihre Erlebnisse kund.

 

Katzen lieben es leise und bedachtsam. Missfallen zeigen sie ihren Menschen deutlich. Auf diese Weise erziehen sie in aller Stille ihre Menschen mit viel Taktgefühl. Ihre Freundschaft, die sich nicht erkaufen lässt, ist der Lohn. 

 

Erfahrungen, die Katzen mit Menschen gemacht haben, schlagen sich in vielfältiger Weise nieder; sie reichen von totaler Kontaktverweigerung, Annäherung bis zur fast totalen Integration. Katzen, die in der Kindheit keinen Menschkontakt kennen gelernt haben, bleiben meist ihr Leben lang scheu, lassen sich nicht locken; die meisten flüchten sofort, wenn ihnen ein Mensch zu nahe tritt. Hat sich ein Mensch einer solchen Katze angenommen und  sie  mit großer Geduld und Einfühlungsvermögen möglicherweise zähmen können, wird sie ihm die treueste Katze überhaupt sein; bei Fremden bleibt sie meist allerdings scheu.

 

Ich fand vor Jahren bei mir in Keller ein kleines schwarzes Katzenmädchen, welches hier anscheinend bereits mehrere Nächte Unterschlupf gesucht hatte und morgens in aller Frühe, wenn es sich im Haus regte, wieder verschwand. Nun der Fluchtmöglichkeit beraut hing sie angstvoll an die Kellerwand gepresst hinter den Regalen. Beherzt und jederzeit damit rechnend, dass sie mir ins Gesicht springt, griff ich zu. Mit Panik in den Augen klammerte sie sich an der Wand fest, war wie festgeklebt, und kaum los zu bekommen. Als ich sie endlich im Arm hatte, schloss sie die Augen und ließ reglos alles über sich ergehen.

Ich brachte es nicht fertig, dieses kleine, ca. fünf Monate alte, scheue, wohl wild geborene, Kätzchen sich wieder selbst zu überlassen und nahm sie notgedrungen bei mir auf. Sie blieb ausgesprochen scheu, flüchtete, sobald man nur in ihre Nähe kam. Fast 1 ½ Jahre habe ich gebraucht, bis sie Vertrauen gewann und ich mich ihr soweit näheren konnte, um sie zu berühren..

Heute ist Nelly zehn Jahre alt und meine anschmiegsamste Katze. Sie kommt zwar nicht von alleine, um Streicheleinheiten zu fordern; legt sich aber nahe zu mir auf die Couch, präsentiert ihren Bauch und lässt sich wirklich überall kraulen, stundenlang. Allerdings nur von mir und den Familienangehörigen; für Fremde bleibt sie weiterhin “unsichtbar“. Eines ist jedoch geblieben: Ihr Verhalten, wenn keine Fluchtmöglichkeit mehr besteht; dann liegt sie mit geschlossenen Augen und fest am Boden gedrückt bewegungslos da, in der Hoffnung, für andere so nun unsichtbar geworden zu sein.

 

Der Katze wird eine gewisse Eigenwilligkeit nachgesagt. Dies mag zutreffend sein, wird aber oft sehr übertrieben. Katzen passen sich aus Zuneigung zum Menschen sehr an, zum Teil sogar an Dinge, die ihrer Natur eigentlich entgegenstehen. Ein Beispiel hierfür ist Minka. Sie begibt sich abends mit ihren Leuten zu Bett und steht erst beim Weckerklingeln wieder auf, egal ob des Nachts der Vollmond ins Fenster scheint und ihren ganzen Unternehmungsgeist weckt.