Katzen in Not - Alchen

Allgemeines

Eine Katze kann 15, 16 Jahre und älter werden. Sie benötigt während ihres gesamten Lebens Pflege, Ernährung und tierärztliche Betreuung. Eine lange Zeit, für die die Verantwortung mit all ihren Konsequenzen für ein Lebewesen übernommen werden muss.

 

   Es ist die Stunde nach dem Abendessen. Der Hausherr sitzt vor dem Fernseher, die Hausfrau ist noch in der Küche. Minka, die grau-braune Tigerkatze mit den weißen Pfoten sitzt im Wohnzimmer und putzt sich. Nach einem Weilchen steht sie auf, schlendert ins Nebenzimmer, kommt wieder zurück, sieht sich um, verschwindet hinter dem Sessel. Gleich darauf fliegt ein Bällchen gegen das Bein des Mannes, prallt ab, rollt durchs Zimmer. Der Mann sieht auf,  holt den Ball, kullert ihn der Katze entgegen, die auf dem Boden liegt und in gespannter Erwartung mit einem kurzen Hieb den Ball wie ein Tennisprofi zurückschlägt. Diese Abendstunde ist Minkas Spielstunde.

 

Die Katze muss ihren natürlichen Jagdinstinkt abreagieren können, da sie andernfalls psychisch verkümmern würde. Gerade Wohnungskatzen können ihren Bewegungsdrang oft nicht genügend ausleben; sie müssen gefordert werden. Schon ein Papierkügelchen, auf den Teppich geworfen, löst den Beuteinstinkt aus, eine leere Garnrolle, ein kurzes Seil über den Boden gezogen, eine Angel mit einem Stoffbällchen daran, ein klackernder Tischtennisball. Eine leere Papiertüte birgt ungeahnte Spielmöglichkeiten und ein verstecktes neues Spielzeug, leicht nach der für Katzen anregenden Katzeminze duftend, ist eine Herausforderung.

 

Beim Spiel mit der Katze sollte man nicht unbedingt Finger und Hände gebrauchen und sie nicht ermuntern, nach Körperteilen einer Person zu beißen, zu schlagen oder sich daran festzukrallen. Das mag bei kleinen Kätzchen ja noch niedlich sein, wenn das Tier sich aber zu einer ausgewachsenen, sieben Kilo schweren Katze gemausert hat, wird die Sache leicht unangenehm.

 

Katzen spielen auch gern Verstecken. Man kann sie dazu auffordern, indem man aus dem Zimmer geht, sich in einem anderen Raum hinter einem Möbelstück oder einer Tür verbirgt und sie ruft. In den meisten Fällen weckt das sofort die Neugier der Katze. Sie kommt, um zu erkunden, was es gibt, sieht den Menschen nicht, sucht ihn. Läuft er dann weg und versteckt sich wieder, folgt sie ihm, findet Gefallen an dem Spiel und versteckt sich selbst. Je länger man sie vermeintlich nicht findet, umso größer ist ihr Vergnügen.

 

Die Spielfreude der Katze bleibt - wenn sie regelmäßig betrieben wird - bis ins hohe Alter erhalten. Verwilderte Katzen, die sich allein durch die Welt schlagen müssen, spielen selten oder nie.

 

Manche verhinderte Jäger reagieren ihren Jagdtrieb dadurch ab, dass sie plötzlich wie wild durch die Gegend rasen und eine imaginäre Beute erlegen, und sei es nur der Teppichläufer, der danach einige Fransen weniger aufweist.

 

Ihren Unmut über einen verhinderten Erfolg versprechenden Jagdausflug gibt die Katze durch seltsam klingende Meckertöne kund. Das Keckern und Schnattern scheint der größte Ausdruck ihres Ärgers über eine durch die Fensterscheibe erspähte und unmöglich zu erreichende Beute zu sein.

 

Katzen, denen kein Freigang gewährt werden kann, sollten genügend Platz haben. Es grenzt an Tierquälerei, ein so energiegeladenes und bewegungsfreudiges Tier auf 20 Quadratmeter Lebensraum zu halten. Das Tier würde verkümmern. Auf jeden Fall sollten Wohnungskatzen zumindest immer zu zweit sein, damit sie sich untereinander beschäftigen und miteinander spielen und springen können. Ein solch hoch entwickeltes Tier Tag für Tag den ganzen Tag mutterseelenallein in der Wohnung zurückzulassen, zeugt von wenig Einfühlungsvermögen.

Jungkatzen sollten sowieso zu zweit sein. Dem enormen Spieltrieb und Bewegungsdrang dieser kleinen Kerlchen kann der Mensch nicht gerecht werden. Im Spiel mit dem Artgenossen werden Verhaltensweisen geübt, Kampftechniken erprobt, Kräfte gemessen, Erfahrungen gesammelt.

Auch das jammervolle Rufen eines schmerzlich die Muter und Geschwister vermissenden kleinen Kätzchens während der ersten Zeit nach der Trennung gibt Auskunft von dessen Einsamkeit.

 

Wenn der Katze aufgrund der Straßenverkehrsverhältnisse kein Freigang gewährt werden kann, empfiehlt es sich wenn möglich einen katzensicheren Auslauf zu bauen. Die Tiere werden ihn auf jeden Fall dankbar annehmen und können sich so “den Wind um die Nase wehen” lassen, andere Gerüche und Geräusche wahrnehmen. Auch ein absturzsicherer, eingenetzter Balkon bietet gute Abwechslung für Wohnungskatzen.

 

Meine Schwester hat ihre Terrasse und ein Stück Wiese katzensicher eingezäunt. Ihre drei Katzen können durch eine eingebaute Katenklappe in der Terrassentür jederzeit rein und raus. Ein Überwinden des Zauns mit nach innen abgeschrägten Kanten ist nicht möglich, alles ist “ausbruchsicher”!  Aber……

Vor einigen Jahren an einem Frühmorgen - meine Schwester, gerade aufgestanden und noch im Schlafanzug, die Katzenklappe noch verriegelt - da klopfte es doch tatsächlich von außen an die Katzenklappe. Die Überraschung war groß; davor stand eine fremde schwarz-weiße ausgemergelte, halb verhungerte Katze. Meine Schwester, die von ihren drei Katzen bereits aufgeregt umlagert wurde, öffnete die Verriegelung und die Schwarz-Weiße schlüpfte furchtlos durch die Öffnung ins Haus, ging zielstrebig an den verdutzten Katzen und meiner sprachlosen Schwester vorbei schnurstracks in die Küche.

 

Katzen gewöhnen sich rasch an den Tagesablauf des Menschen. Viele reagieren auch in ganz bestimmter Weise auf technische Errungenschaften; so laufen einige mit zum Telefon, wenn es läutet.

 

Der junge Kater einer Bekannten greift hier zur Selbsthilfe. Schon beim ersten Läuten rast er zum Telefon und wirft den Hörer von der Gabel. Das Wettrennen zum Telefon hält seither beide fit.

 

Es gibt auch Katzen die fernsehen oder Musik lieben. Allerdings nicht unbedingt Rock und Beat, eher leise Klaviermusik. Katzen haben ein sehr feines Gehör, demzufolge sind sie für laute Geräusche und Krach sehr empfindlich.

 

Sonntagnachmittag, die Hausfrau hat den Kaffeetisch gedeckt und ist noch mal kurz in die Küche gegangen. Minka wandert durchs Esszimmer, springt auf einen Stuhl, steigt vorsichtig auf den Tisch, schnuppert an der Kaffeesahne, tippt den Löffel in der Zuckerschale leicht an; etwas Zucker rieselt auf die Tischdecke. Als die Hausfrau mit dem Kuchen hereinkommt, sitzt Minka wieder am Fenster und beleckt sich die Pfoten. Die Frau sieht den verstreuten Zucker, blickt ihre Katze an. Aber Minka ist intensiv mit der Pflege ihrer Pfote beschäftigt.

 

Meine Katze Jessy griff zur Selbsthilfe:

Der Mittagstisch war noch für meinen Sohn gedeckt, weil er später kam. Das Essen für ihn stand abgedeckt in Töpfen und Pfanne auf dem Herd. Ich kam später hinzu, als er gerade sein benutztes Geschirr in die Spülmaschine einräumte und herummoserte, was denn wohl in der Pfanne gewesen wäre. Erstaunt schaute ich zur Pfanne, der Deckel war geschlossen wie zuvor. Ahnungsvoll sah ich ins Nebenzimmer. Auf der Fensterbank saß teilnahmslos Katze Jessy, den Rücken mir zugewandt, und putzte sich ausgiebig; Ihre Zunge, doppelt so lang wie sonst, fuhr in schnellen Bewegungen links, rechts, links, rechts, jeweils fast bis zu ihren Ohren.

Abends noch konnte ich ihren dicken Bauch fühlen und sie beobachten, wie sie mehrmals zum Wassernapf schlich.

 

Auf Veränderungen in ihrem Wohnbereich reagieren Katzen sehr unterschiedlich. Die eine interessiert sich für jede Abweichung vom Gewohnten, wie umgestellte Möbelstücke, Neuanschaffungen, Besucher; die andere beharrt auf dem Gewohnten.

 

So protestierte der Kater eines befreundeten Ehepaares jedes Mal, wenn statt des Mannes, der gewöhnlich  im Ohrensessel saß, die Ehefrau diesen Platz einnahm. Sie stieß dann ärgerliche Laute aus und war sehr ungehalten. Stand die Frau dann auf und nahm der Mann im Sessel Platz, sprang die Katze sofort zu ihm auf den Schoß, legte sich schnurrend über seine Beine und stupste ihn mit der Nase an - eine Zeremonie, die unter befreundeten Katzen üblich ist und die Katzen bei Menschen nur demjenigen gegenüber anwenden, den sie besonders mögen. Es lässt sich natürlich nur gut anwenden, wenn Mensch und Tier sich auf gleicher Höhe befinden; Katzen lieben es nämlich nicht, zum Menschen aufsehen zu müssen.

 

Das Entgegenlaufen der Katze mit hoch erhobenem Schwanz und das anschließende Flankenreiben bedeuten immer eine freundliche Begrüßung. Häufig wird auf diese Weise dem Mensch zu verdeutlichen versucht, dass ein paar Streicheleinheiten angebracht wären. Sollte der Mensch nicht darauf reagieren, dann kann es passieren, dass ein regelrechtes Tänzchen aufgeführt wird und der Zweibeiner nicht so ohne weiteres an der drängenden Katze vorbeikommt.

 

Vor Jahren kam Pauli, ein schon älterer, unkastrierter, ziemlich räudiger schwarzer Kater in die Pflegestelle, der über ein Jahr lang versucht hatte, bei Leuten durch deren Katzenklappe Einzug zu halten. Deren Katze war damit aber ganz und gar nicht einverstanden. Aus dem stinkenden, zerzausten Kater wurde schnell ein gepflegter seiden glänzender Prachtkerl, der scheinbar enormen Nachholbedarf in Sachen Schmuseeinheiten hatte. Sobald man nur annähernd Anstalten machte, sich irgendwo niederzulassen, war er schon zur Stelle, lag lang ausgestreckt bereit. Er tretelte wie ein Katzenbaby, stundenlang; dabei lief ihm vor Verzückung tröpfchenweise der Sabber aus Nase und Maul.  Ein Handtuch musste daher immer griffbereit.  sein. Mittlerweile lebt er bei einer Familie, lässt sich dort von acht Händen verwöhnen und sein unverzichtbares Sabbertuch ist auch hier immer dabei.

 

Katzen benötigen viel Schlaf. Erwachsene Katzen halten tagsüber immer wieder kleine Nickerchen. Was aber geht in der schlafenden Katze vor, deren Schwanz zuckt, deren Pfoten sich bewegen, deren Barthaare zittern, deren Zähne klappern?  Fest steht: Katzen träumen. Ältere schnarchen sogar - und manchmal ganz beträchtlich. Dass Katzen sich zum Schlafen die ungewöhnlichsten Plätze aussuchen, lässt sich oft beobachten. Sie rollen sich in Lücken der Bücherregale, im Wäscheschrank oder in einer zufällig offen stehenden Schublade zusammen; sie entschlummern auf dem Telefontisch, im leeren Einkaufskorb  oder in einem vergessenen Karton im Flur. Auf der Couch lang ausgestreckt und in malerischer Haltung findet sie der müde Mensch meist dann, wenn er sich dort für ein halbes Stündchen ausruhen möchte. Nur an einem Ort lässt sich die Katze meist nur selten nieder: in dem für sie vorgesehenen weich ausgepolsterten Korb, der extra für sie angeschafft wurde.

Der ideale Ruheplatz allerdings bleibt das Bett - notfalls ohne, besser mit menschlichem Gefährten, in dessen Armbeuge sich trefflich schlummern lässt, auf oder unter dessen Decke es warm und gemütlich ist.

Katzen von Betten fernzuhalten ist ein so gut wie hoffnungsloses Unterfangen. Ihrer Hartnäckigkeit, gerade diesen Platz zu erobern, sind nur wenige Menschen gewachsen. Nun mögen es einige aus hygienischen Gründen nicht gerade als empfehlenswert sehen, das Bett mit der Katze zu teilen, doch dass sich ein erwachsener Mensch durch engen Kontakt mit ihr eine Krankheit zuzieht, kommt so gut wie nie vor; von Flöhen frei und regelmäßig entwurmt sollte die Katze allerdings sein.